Nik geht spielerisch und leidenschaftlich mit dem um, was in ihm ist und was ihn ihm vorgeht. Sein Ich tanzt sozusagen durch die Bilder. Sie haben etwas Wildes, Ungetümes. Aber gleichzeitig legt er ihnen eine gewisse formale Strenge auf. Er zwingt sie in Raster. Manchmal rastert er sie selber als würde die innere Stimme ihm sonst nicht gehorchen, als würden seine Emotionen aus dem Bild springen. Er versucht nach seiner eigenen Aussage, Emotionen zu fesseln. Das ist gut sichtbar.
Interessanterweise arbeitet Nik mit einer geometrischen Strenge. Er verlangt von seinen Händen und Pinseln viel Disziplin. Er malt von aussen nach innen und von innen nach aussen. Er lenkt den Betrachter und die Betrachterin durch seine figürlich abstrakte Malerei in alle Richtungen. Er dirigiert mit Strichen wie der Dirigent die Musik mit seinem Stock.
Auffällig ist der Strichcharakter seiner Grafiken.
Interessant ist, dass die teilweise Unruhe, die in seinen Bildern spür- und sichtbar ist, durch die Strenge entsteht, mit der er das Ungetüme überzieht, die Leidenschaft in Schacht, sozusagen im Hintergrund, hält. Das gibt seinen grafischen Arbeiten etwas Pop-Artiges. Da und dort entsteht Graffiti Kunst auf der Leinwand. Und wie Graffiti Künstlern eigen, ist auch Nik spontan motiviert, angezogen von der Lust, etwas zu verfremden, geht dann aber mit enormer Disziplin konzentriert ans Werk. Ein Werk, das nicht abgeschlossen ist, das spannend ist und noch viele Überraschungen verspricht.
Dass Nik Përgjokaj sein Handwerk beherrscht, erkennt man unter anderem im Portrait „Gasper“. Hier hat er das Gesicht seines Cousins auf Leinwand getupft. Für mich ein erstaunliches Werk, von dem ich uns noch viele Weitere wünsche.
Lenzburg, 14. Dezember 2007
Marc Pfirter, Kunsthistoriker
Präsident der Stiftung “Dr. Hans Müller und Gertrud Müller“